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Artist talk: Isabella Fürnkäs in conversation with Philipp Lange
Philipp Lange [PL]: Hallo alle miteinander, schön, dass ihr da seid! Es freut mich sehr, dass du dieses Event heute veranstaltest und hostest und mich eingeladen hast, den Talk mit dir zu moderieren. Isabella und ich kennen uns seit einigen Jahren, sind eng befreundet und haben lange Zeit sehnsüchtig darauf gewartet, endlich mal miteinander zu kollaborieren. Und der Moment ist jetzt endlich gekommen. Ich glaube, das ist nur ein erster Moment von vielen weiteren.
Anlass dieser Veranstaltung ist vor allem der Launch deiner Publikation, die hier auf dem Tisch zum Durchblättern ausliegt, aber auch zum Kaufen. Ihr könnt gerne nach dem Talk direkt auf Isabella zukommen und den Katalog mitnehmen. Es ist ein Überblickswerk, das die letzten zehn Jahre – eine Dekade deines künstlerischen Schaffens – zeigt, mit vielen Arbeiten und Projekten. Die Arbeiten sind in einer chronologischen Reihenfolge von hinten nach vorne angeordnet. Es gibt ein paar nicht ganz chronologische Momente, weil einige Arbeiten für spätere Ausstellungen neu interpretiert oder aktualisiert wurden. Man kann sich also durch deinen künstlerischen Werdegang von hinten nach vorne durcharbeiten – oder einfach in der Gegenwart beginnen und zurückgehen. Beides funktioniert.
Gleichzeitig ist diese Veranstaltung auch dein erstes Open-Studio-Event, nachdem du vor gar nicht allzu langer Zeit hierher ins Atelier gezogen bist – vorher warst du noch im Wedding, seit du in Berlin bist. Ich will jetzt gar nicht zu lange sprechen, wir wollen dich hören. Trotzdem würde ich gerne kurz einige biografische Angaben nennen, wie man das in so einem Talk macht. Wir halten es knapp, viele hier kennen dich ja bereits. Auf einzelne Punkte kommen wir sicher später noch zurück, vor allem darauf, wie die verschiedenen Orte, an denen du gelebt hast, sich in deinen Arbeiten widerspiegeln.
Isabella Séville Fürnkäs ist 1988 in Tokio geboren und dort auch aufgewachsen, als Tochter deutsch-französischer Eltern. Ihr Studium hat sie im deutschsprachigen Raum absolviert, die meiste Zeit an der Kunstakademie Düsseldorf, in den Klassen von Karen Sitter und Andreas Gursky. Außerdem hatte sie Auslandsaufenthalte an der ZHdK in Zürich, an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und an der UdK in Berlin, in der Klasse von Hito Steyerl.
Auch wenn das Studium im deutschsprachigen Raum verortet war, warst du in den vergangenen zehn Jahren sehr international unterwegs und hast Residenzen unter anderem in Bukarest, Tiflis, Paris und Dakar gemacht – die Liste ließe sich fortsetzen.
An Soloprojekten gab es unter anderem eine größere Ausstellung im Osthaus Museum Hagen. Aus diesem Projekt ist auch eine weitere Publikation entstanden, die hier ebenfalls ausliegt. Weitere Einzelausstellungen fanden bei der Galerie Hua International in Berlin, bei Clages in Köln und im Projektraum Mouches Volantes statt. Zu den aktuelleren Gruppenausstellungen aus diesem Jahr zählen unter anderem eine Ausstellung in der Galerie Haverkamp Leistenschneider in Berlin und in der Galerie im Saalbau.
So, jetzt haben wir ein paar Daten und Fakten. Ziel dieses Talks ist, dass wir über deinen künstlerischen Werdegang sprechen, einzelne Arbeiten anschauen und dabei versuchen, einen roten Faden herauszuarbeiten – sodass sich am Ende vielleicht eine Art Fazit ergibt. Vielleicht fangen wir direkt damit an: Wie kam es überhaupt dazu? Wie hast du dich dazu entschlossen, Künstlerin zu werden? Und wie hat sich daraus der Weg ins Studium entwickelt?
Isabella Fürnkäs [IF]: Ja, das ist auf jeden Fall eine sehr interessante Frage, eine Art Leitfrage, die einem gar nicht so oft gestellt wird, weil man mit so vielen anderen Dingen beschäftigt ist. Aber ich würde sagen: Es kommt auf jeden Fall aus einem inneren Impuls heraus. Was mich vor allem interessiert, ist ein innerer Dialog, der irgendwann zu einem äußeren wird. Also dieses innere Gespräch, das man mit sich selbst und der Welt führt, das dann nach außen tritt und zu einem Dialog mit anderen Menschen wird. Daraus entsteht ein Raum, der sich erweitert – und in diesem Raum findet man sich selbst wieder, zusammen mit all den anderen, die Teil davon sind. Das ist, glaube ich, ein Auslöser oder auf jeden Fall ein starker Antrieb, Kunst zu machen, aktiv zu sein und in einer visuellen Sprache diesen Dialog zu führen. Das ist ein großer Bestandteil meiner Arbeit.
Ich war in der Schule immer diejenige, die gezeichnet und gemalt hat. Wir haben damals tatsächlich eine Kunst-AG gegründet, die wir drei Jahre lang geführt haben.
[PL]: Als Schüler*innen, auf freiwilliger Basis?
[IF]: Ja, komplett freiwillig. Ich habe mit dem Schulleiter gesprochen, das Ganze angeleitet und auf ein A4-Blatt geschrieben, was wir machen möchten. Wir wollten den Kunstraum außerhalb der regulären Schulzeiten nutzen können, für das, was wir machen wollten. Der Schulleiter war Mathe- und Physiklehrer, hat dann gefragt: „Ja, was wollt ihr denn da machen? Bildchen malen?“ Und ich habe gesagt: „Ja, genau.“ Und dann war’s okay, und wir haben den Raum bekommen. Das war, glaube ich, die erste Initiative. Wir haben uns „Live On Paint“ genannt und hatten die Kirsche als Symbol. „Live On Paint“ – von der Farbe leben. Da waren wir 15.
Mir hat es total Spaß gemacht, in einer Gruppe zu sein, mit Menschen, die sich für ähnliche Dinge interessieren und kreativ sind. Wir waren anfangs nur Mädchen, lustigerweise. Später, bei einem Fotoprojekt, kamen auch mehr Jungs dazu – dann haben wir uns geöffnet. So hat das angefangen, diese kreative Richtung. Das sucht man sich nicht aus, das macht man einfach.
[PL]: Okay, also da ist einerseits dieser Community-Aspekt und die Auseinandersetzung mit Themen. Gleichzeitig ist deine Praxis sehr handwerklich geprägt. Vielleicht kannst du noch ein bisschen erzählen, woher dieser Drang kommt, etwas zu produzieren?
[IF]: Ich glaube, meine Eltern kommen eher vom Wort – bei uns wurde sehr viel geredet. Ich selbst habe aber gar nicht so viel gesprochen, sondern eher in Bildern kommuniziert. Deswegen war Zeichnung immer mein Safe Space. Ich hatte immer viele Sketchbooks dabei und darin meinen eigenen Raum, den ich überallhin mitnehmen konnte, auch auf Reisen. Die Vorstellungen im Kopf übertragen sich aufs Papier – dieser Raum war für mich sehr wichtig.
Und handwerklich: Als ich mich in Zürich beworben habe, wurde ich gefragt, wo ich denn Zeichnen gelernt habe. Und ich habe es nie „gelernt“. Ich habe es einfach gemacht, für mich, immer. Es kam aus mir selbst heraus.
[PL]: Aber Zürich war eine Station, nachdem du schon begonnen hattest?
[IF]: Nein, Zürich war die erste Station. Ich kam von Tokio nach Zürich, dann über Wien nach Düsseldorf und später nach Berlin. Das war so ein schöner Abstieg, kann man sagen.
[PL]: Oder Aufstieg!
[IF]: [lacht]
[PL]: Wir sprechen später bestimmt noch über Orte, aber lass uns erst einmal auf eine Arbeit schauen. Neben uns steht „Unpredictable Liars“. Das ist eine Serie von dir. Sag noch einmal: Wann sind die ursprünglich entstanden? Es gab ja auch Neuauflagen.
[IF]: Genau, es gibt mehrere Serien: 2017 bis 2018, dann 2018 bis 2019 die zweite Serie und 2022 bis 2024.
[PL]: Und das sind Arbeiten, mit denen du, glaube ich, das erste Mal größere Aufmerksamkeit erlangt hast, schon während des Studiums, und die viel gezeigt wurden. Vielleicht kannst du anhand dieser eindrücklichen Arbeiten skizzieren, wie du sie entwickelt hast und welche Aspekte sich davon in anderen Werken wiederfinden.
[IF]: Das war eine Zeit, in der soziale Medien sehr stark Einzug ins Privatleben gehalten haben, überhaupt in den sozialen Umgang und natürlich auch ins Berufliche – gerade im Kunstbereich. Mich hat vor allem diese Form des Zeigens und Nicht-Zeigens interessiert. Ich hatte das Gefühl, von vielen Personen umgeben zu sein, die sich extrem zeigen, aber eigentlich nichts Wesentliches preisgeben. Es ging mir um Sein und Schein. Ich habe eine relativ große Serie gemacht – 24 dieser Figuren – in kurzer Zeit. Sie sind mit vielen Lagen von Textilien umhüllt, verkabelt, haben etwas Dystopisches und spiegeln gleichzeitig Isolation wider.
[PL]: Etwas Anonymes.
[IF]: Genau. Gleichzeitig zeigen sie aber sehr viel von sich. Diese Kontraste haben mich dazu gebracht, diese Arbeiten zu machen. Sie sind persönlich, aber ich habe gemerkt, dass viele Menschen damit etwas verbinden können.
Im Katalog sieht man das nicht immer, weil dort oft nur fotografische Dokumentationen zu sehen sind. In der Ausstellung sind es tatsächlich Sound-Arbeiten: In einigen sind kleine Lautsprecher integriert. Wenn viele der Figuren im Raum sind, entsteht ein Raunen, ein Flüstern. Es sind multimediale Arbeiten. Die ersten Figuren waren stark japanisch geprägt, von Nō-Theater inspiriert, mit Yukata-Stoffen und Obi-Bändern. Die späteren wurden „Berlin-mäßiger", düsterer und dystopischer.
[PL]: Ich finde vor allem den Aspekt der Medienkritik spannend, der darin steckt. Wenn man an 2017 zurückdenkt: Damals begann es, dass das permanente Am-Telefon-Sein zum Standard wurde. Heute, im Zeitalter von KI, hat sich das noch einmal verschärft. Und gerade da ist der Kontrast interessant: Die Skulpturen sind handgefertigt, persönlich, materiell, und gleichzeitig verhandeln sie digitale Themen – wie eine verschobene Übersetzung. Man sieht nicht auf den ersten Blick, dass es um das Digitale geht, aber es spielt eine starke Rolle. Diese Diskrepanz zwischen Inhalt und Erscheinung finde ich sehr spannend.
[IF]: Ja, und das zieht sich weiter. Die „Desiring Machines“, also die Glasarbeiten, die hier über uns hängen – und hoffentlich hängen bleiben – haben auch sehr viel mit dieser Thematik der Digitalisierung zu tun. Sie sind handwerklich hergestellt, in der Glaswerkstatt geblasen, alle individuell, keine ist wie die andere, aber sie bilden eine Serie. Diese Fragen nach Begehren, Projektion, technischer Durchdringung – die stecken da auch drin.
[PL]: Und auch über die Beschriftungen: Wenn man näher tritt, sieht man Texte auf dem Glas, Gedankenfragmente. Vielleicht kannst du noch etwas dazu sagen, welche Rolle Sprache in deinen Arbeiten spielt.
[IF]: Sprache spielt auf jeden Fall eine wichtige Rolle – wie bei den Figuren, wo Sprache über Sound passiert. Bei den Glasarbeiten ist die Gravur eine Ebene, die sich über das Material legt, in die Arbeit einschreibt. Da gibt es Bezüge zu theoretischen Texten, etwa zu „Anti-Ödipus“, mit dem ich mich beschäftigt habe. Ich habe Fragmente herausgelöst, umformuliert und eingraviert. Es geht um Begehren, unterdrückte Gefühle im Alltag, die zur Sprache kommen oder als produktive Quelle gelesen werden können.
[PL]: Und dieser Alltag, von dem du sprichst, zieht sich eigentlich auch komplett durch deine Zeichnungen. Wir halten fest: Du arbeitest multimedial – Skulptur, Video, Textil, Glas, Performance – aber Zeichnung zieht sich konstant durch dein Werk und deinen Alltag.
[IF]: Ja. Es ist interessant, sich zu fragen, worauf man verzichten könnte. Auf das Zeichnen kann ich nicht verzichten. Das ist etwas, das man mir nicht wegnehmen kann. Ich kann immer Papier und Stift haben. Das ist ein Raum, der mir gehört. Deswegen ist die Zeichnung eines der wichtigsten Medien meines künstlerischen Ausdrucks, aber auch ein Kommunikationsmittel. In meinem Studium war der Diskurs sehr konzeptuell, und es war damals gar nicht so leicht möglich, sehr intime, private Arbeiten zu zeigen. Ich habe meine Zeichnungen eigentlich erst nach dem Studium wirklich in die Arbeiten integriert.
[PL]: Also hat man sich nicht so recht getraut, weil das nicht gern gesehen wurde?
[IF]: Genau. Vor zehn Jahren war es nicht „en vogue“, private Dinge zu zeigen, gerade als Frau. Ich wurde auch einmal ziemlich blöd darauf angesprochen, es sei „peinlich“. Interessanterweise hat sich das komplett gewandelt – sicher auch durch Social Media. Das ist eine der positiven Seiten. Aber: Zeichnen bleibt für mich zentral, und ich werde nicht damit aufhören.
[PL]: In unserem Vorgespräch hast du die Zeichnung auch als Einfangen der Poesie des Alltags beschrieben. Dass diese Momente, die man nicht planen kann, das Leben lebenswert machen.
[IF]: Ja, ich glaube, kreatives Arbeiten kann so ein Öffnungsmoment sein. Dinge werden anders wahrgenommen, durch ästhetische, visuelle Ebenen. Es bringt Humor, Nachdenklichkeit, Reflexion in den Alltag. Ich glaube, das ist sinnstiftend und erhellend, wenn man sich auf diese poetische Perspektive einlässt. Kunst ist eine gute Möglichkeit, sich selbst anders zu sehen und einen erfüllteren Alltag zu haben.
[PL]: Und auch das Intuitive daran.
[IF]: Ja.
[PL]: Wenn wir jetzt von den Zeichnungen weggehen - Wie entwickelst du deine Ideen? Gibt es Strukturen oder ist jede neue Arbeit, jeder Werkkomplex individuell?
[IF]: Vieles hängt miteinander zusammen, aber es gibt größere Zeitabstände. Die Glasarbeiten zum Beispiel haben einige irritiert – „Was ist das jetzt?“ Für mich war es intuitiv: Ich habe schon mit Keramik gearbeitet, mit Kunstharz-Güssen, Tropfen auf dem Boden. Die Transparenz, das Fließende – Glas war ein naheliegendes Material. Über längere Zeit ziehen sich bestimmte Themen durch. Wenn man erst später einsteigt, wirkt es vielleicht sprunghaft, aber für mich hängt alles zusammen.
Die neueren Arbeiten, etwa die Metallkonstruktionen mit Fotos in der Galerie im Saalbau, entstanden aus einer Reflexion während der Corona-Zeit: Rückzug ins Häusliche, Beschäftigung mit dem Inneren, aber auch der Blick nach außen. Diese beiden Ebenen interessieren mich sehr.
[PL]: Oder das nach außen sichtbare, das man selbst steuert – über Social Media, darüber, was man zeigt. Was passiert hinter den eigenen vier Wänden?
[IF]: Genau. Und wie ist das mit Erinnerung? Welche Bilder gehören einem? Wir bestehen zu einem großen Teil aus Bildern. Sind sie an der Oberfläche oder im Inneren? In dieser Zeit entstand die Notwendigkeit, das zu thematisieren. Nicht mehr nur Figuren zu schaffen, sondern ein „Gerüst“, einen Rahmen, in dem diese Gedanken stattfinden können.
[PL]: Du hast das einmal „Skelett“ genannt – das Körperliche daran finde ich spannend.
[IF]: Ja, ich wollte das tatsächlich einmal aus Knochen bauen, das hat aber noch nicht geklappt. Ein paar Knochen liegen hier im Regal – weiß grundiert, haltbar gemacht.
[PL]: Wir sind gespannt! Und das Häusliche setzt sich weiter fort, etwa in den Spiegelhäuschen mit den kleinen Parfum-Flakons. Du sammelst Wand-Setzkästen, oft in Hausform. Das verweist auf Sammeln, auf Innenraum und Außenwirkung. Man trägt den Duft nach draußen, inszeniert sich. Vielleicht kannst du diese Arbeiten noch kurz beschreiben. Kommt das auch aus dieser Zeit?
[IF]: Meine Mutter hatte schon immer diese Parfumfläschchen, das ist eine Kindheitserinnerung. Früher gab es die an Flughäfen, heute nur noch langweilige Röhrchen. Diese kleinen Flakons, exakt wie die großen, nur mini, fand ich toll. Ich habe die von meiner Mutter gesammelt und weitere ergänzt, eine Auswahl getroffen. Für mich sind das kleine Charaktere. In den Setzkästen stehen sie wie in Hausfassaden. Und ja, das Buch „Parkstraße 13“, ein aufgeschnittenes Haus voller Geschichten, war eine wichtige Referenz.
[PL]: Wie ein Puppenhaus.
[IF]: Genau.
[PL]: Dann lass uns zum Körperlichen kommen – wenn alle noch können? [lacht]
Danach gibt es Champagner, durchhalten lohnt sich! Im Anschluss machen wir auch noch eine Fragerunde.
Du arbeitest ja auch performativ. Die Publikation beginnt mit einem Projekt, das du für das Museum Ludwig gemacht hast. Magst du über deine Performance-Praxis sprechen?
[IF]: Gerne. Ich habe 2015 damit angefangen, als ich an der Kunstakademie eine Arbeit gezeigt habe: eine Matratze, losgelöst im Raum, mit Flatscreens wie zwei Köpfe, darauf ein Dialog, ein Bettgespräch. Es ging um das Verhältnis von Mann und Frau. Die Videos dauerten 20 Minuten. Intuitiv hatte ich das Gefühl, da muss jemand auf dieser Matratze sein. Das war die erste Performance – wie ein Happening. Damals war das in meinem Umfeld so noch nicht zu sehen.
Aus der Installation heraus hat sich das weiterentwickelt. Ich habe zunehmend Videoarbeiten und Performances kombiniert. Trotzdem würde ich mich nicht ausschließlich als Performancekünstlerin bezeichnen – Performance ist ein Teil des Ganzen. Zwei Jahre habe ich performt, vor allem mit meiner Arbeitsplattform Lola, das war sehr prägend.
In der Performance im Museum Ludwig ging es auch um den roten Faden. Die Performerinnen hatten einen langen roten Faden, haben ihn durchs Museum gezogen, sich selbst und Besucherinnen verwickelt. Die Arbeit habe ich später auch in den Wilhelmshallen gezeigt.
[PL]: Du hast das Publikum aktiviert und zur Partizipation eingeladen.
Der rote Faden ist ja auch ein Leitmotiv heute – und er zieht sich durch dein Werk: das Digitale, das Körperliche, das Ortsungebundene.
[IF]: Ja, das Dazwischen-Sein, der Raum zwischen Innen und Außen.
[PL]: Die Fluidität von drinnen und draußen.
[IF]: Genau, dazu gibt es viel im Katalog zu sehen.
[PL]: Den man kaufen kann! [lacht] Da wir über zehn Jahre sprechen: Wo siehst du dich in den nächsten zehn Jahren?
[IF]: Man darf nicht zu viel verraten, aber hoffentlich an mehreren Orten. An Orten mit offenen Grenzen, ohne faschistoide Systeme, in politischen Systemen, die das, was wir hier tun, weiterhin erlauben. Das wünsche ich mir sehr. Und ich hoffe, weiterhin im Kunstbereich zu arbeiten – dort sind auf jeden Fall die interessantesten und nettesten Leute. Hoffentlich mit einem Bein in Berlin und mit dem anderen Bein noch woanders. Und ich hoffe, dass wir uns dann alle noch kennen, das wäre sehr schön.
[PL]: Ich wollte dich noch fragen, wie sich deine Praxis mit dem Umzug nach Berlin verändert hat. Du hast schon gesagt, einige Skulpturen sind dystopischer geworden.
[IF]: Ja, und ich habe eigentlich schon einen Plan, was als Nächstes kommt. Es gibt eine klare Idee für neue Arbeiten. Das Open Studio jetzt war auch ein Anlass, das Atelier aufzuräumen und Platz zu schaffen.
[PL]: Und den Moment zu nutzen, um Leute einzuladen und die Arbeiten zu zeigen.
[IF]: Ja, genau. Vielen Dank! Philipp, danke dir. Sollen wir jetzt knutschen?
[PL]: [lacht]
[Applaus]
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Philipp Lange & Isabella Fürnkäs, Studio Berlin, 17.10.2025