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Interview with Magdalena Kröner & Isabella Fürnkäs
Magdalena Kröner [MK]: In “Mnemonic” tauchen ganz unterschiedliche Bilder und Objekte auf – aus lang zurückliegender Vergangenheit und unserer Gegenwart, manche sind ästhetisch, andere verstörend. Wie darf man sich den Entstehungsprozess des Gesamtwerks vorstellen? Planen Sie die Zusammensetzung der Bilder minutiös, oder lassen Sie sich spontan von Eindrücken und Fundstücken inspirieren?
Isabella Fürnkäs [IF]: Der Entstehungsprozess von Mnemonic basiert auf einem über lange Zeit gewachsenen Bildarchiv, das sich aus zahlreichen thematischen Ordnern und Unterordnern zusammensetzt. Es handelt sich um Bildmaterial, das ich über Jahre hinweg gesammelt habe. Während des Arrangierens entstehen jedoch viele neue Ideen, und ich recherchiere gezielt nach weiteren assoziativen Bildmotiven. Der Prozess des Montierens gleicht einem Puzzle- oder Suchspiel. Besonders interessieren mich die gedanklichen Brücken, die zwischen den einzelnen Bildern geschlagen werden können, sowie die Lücken, die durch die Erinnerung des Betrachtenden ergänzt werden.
[MK]: Viele der in der Collage gezeigten Bilder lösen beim Betrachtenden Emotionen aus. Weil man die Motive schon mal irgendwo gesehen hat oder weil sie an eigenen Erfahrungen kratzen. Wie sehr wühlt Sie als Künstlerin diese Bilderflut bei der Zusammenstellung auf?
[IF]: Meine Herangehensweise ist sehr rational. Die Komposition entwickelt sich aus einem kreativen sowie assoziativen Denkprozess heraus: Symbole von Macht, Freiheit und Erinnerung werden einander gegenübergestellt und neu kombiniert. Dabei geht es darum, etablierte Bedeutungen zu unterwandern – Macht wird durch Masken und Schutzmechanismen getarnt oder gebrochen, Doppelstandards und gesellschaftliche Strukturen subtil subvertiert. Das Wechselspiel zwischen Vertrautem und Verstörendem, zwischen Todesahnung und Freiheitssymbolik, spiegelt sich sowohl in der Auswahl der Motive als auch in ihrer Kombination wider.
[MK]: Und immer wieder ist es der Körper und die Darstellung des Körpers. Wie hat sich aus Ihrer Sicht unser Verhältnis zum eigenen Körper und die Darstellung vom eigenen Körper über die Jahrhunderte verändert?
[IF]: Der Körper ist seit jeher Projektionsfläche für Macht, Freiheit und Identität – und zugleich Spiegel gesellschaftlicher Strukturen. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich unser Verhältnis zum eigenen Körper stark gewandelt: Während er früher oft als Träger religiöser, politischer oder kultureller Macht inszeniert wurde, erleben wir heute eine paradoxe Gleichzeitigkeit von Selbstbestimmung und Selbstinszenierung. Der Körper wird so zum zentralen Schauplatz für die Auseinandersetzung mit Macht, Tod, Schutz und Freiheit.
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Magdalena Kröner & Isabella Fürnkäs, Kustmuseum Mühlheim, 2025